Trigema-Chef tot: Wolfgang Grupp hinterlässt großes Erbe

Wolfgang Grupp – Das Ende einer Ära bei Trigema
Wer war Wolfgang Grupp?
Wolfgang Grupp, der charismatische und konsequente Unternehmer hinter dem deutschen Textilunternehmen Trigema, ist im Alter von 81 Jahren verstorben. In Burladingen geboren, führte er das Familienunternehmen über fünf Jahrzehnte lang mit eiserner Hand und klarem Kurs.
Sein kompromissloses Festhalten an „Made in Germany“, sein moralisches Rückgrat und seine Medienpräsenz machten ihn zu einer bekannten Figur in der deutschen Wirtschaft. Berühmt wurde er auch durch seinen ikonischen TV-Werbespot mit dem Affen.
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Unternehmensstruktur: Verantwortung in einer Hand
Trigema wurde von Grupp als eingetragener Kaufmann (e.K.) geführt. Das bedeutete: Er allein war für alle finanziellen und rechtlichen Verpflichtungen des Unternehmens verantwortlich. Selbst mit über 80 Jahren war er offiziell der einzige Inhaber.
Seine Kinder, Bonita und Wolfgang Junior, sind zwar längst Teil der Unternehmensführung, doch laut Gesetz darf es bei dieser Rechtsform nur einen Chef geben. Dies führte dazu, dass Grupp über eine Umwandlung zur GmbH nachdachte.

Wer übernimmt Trigema?
Nach seinem Tod fällt die Verantwortung zunächst an seine Ehefrau Elisabeth Grupp. Laut Wolfgang habe sie das Recht, eigene Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie gegen seine Vorstellungen sind.
Letztlich wird einer der beiden Kinder das Unternehmen übernehmen, der andere erhält den österreichischen Teil des Familienvermögens. Grupp sprach offen über diese Verteilung – selbst auf die Gefahr hin, einen der beiden zu verärgern.
Herausforderungen von außen: Krieg und Energiekrise
Grupp äußerte sich mehrfach kritisch über die Auswirkungen des Ukrainekriegs und die steigenden Energiepreise auf die deutsche Wirtschaft. Die wachsende Abhängigkeit von Russland und die Rolle der USA sah er mit großer Skepsis.
Trotz hoher Produktionskosten weigerte er sich, Trigema ins Ausland zu verlagern. Sollte sich die Lage verschärfen, kündigte er an, die Rechtsform in eine GmbH umzuwandeln, um die persönliche Haftung zu reduzieren.
Klare Worte und Kritik an der Politik
Seine Auftritte in den Medien sorgten regelmäßig für Aufsehen. Er forderte ein Ende der Waffenlieferungen, kritisierte die Rolle Amerikas und setzte sich für eine diplomatische Lösung des Ukraine-Konflikts ein.
Diese Aussagen stießen auf gemischte Reaktionen – einige bewunderten seinen Mut zur Ehrlichkeit, andere warfen ihm Naivität oder Verschwörungstheorien vor.
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Ein Erbe, das mehr ist als ein Unternehmen
Wolfgang Grupp hinterlässt nicht nur ein Unternehmen mit 1.200 Mitarbeitenden, sondern ein Lebenswerk. Keine betriebsbedingten Kündigungen seit 1969, komplette Produktion in Deutschland, 100 % Eigenkapital – das ist sein Vermächtnis.
Ob Bonita oder Wolfgang Jr. die Nachfolge antreten – sie übernehmen mehr als nur eine Firma. Sie übernehmen eine Verantwortung, eine Philosophie und eine Geschichte.
