Was wiegt Ricarda Lang – Körperbild, Kritik und Selbstakzeptanz
Ricarda Lang: Zwischen Politik, Bodyshaming und Selbstakzeptanz

Eine junge Parteichefin im Fokus der Öffentlichkeit
Ricarda Lang, seit Februar 2022 gemeinsam mit Omid Nouripour Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, steht wie kaum eine andere Politikerin im öffentlichen Rampenlicht. Mit 28 Jahren ist sie eine der jüngsten Parteivorsitzenden in der Geschichte der Grünen. Doch nicht nur ihre politischen Entscheidungen, sondern auch ihr äußeres Erscheinungsbild machen sie immer wieder zum Ziel von Angriffen im Internet.
Lang hat in mehreren Interviews betont, dass sie trotz ihres jungen Alters keine Sonderbehandlung erwartet. „Ich mag und wünsche mir keinen Welpenschutz“, erklärte sie gegenüber dem Magazin Bunte. Sie möchte an ihren Leistungen gemessen werden, nicht an ihrem Alter oder Aussehen.
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Bodyshaming als politisches und gesellschaftliches Problem
Der Beginn einer öffentlichen Debatte
Ricarda Lang spricht offen über die Häme, die sie seit Jahren erfährt – insbesondere wegen ihres Gewichts. Seit sie zur Bundessprecherin der Grünen Jugend gewählt wurde, sei sie immer wieder mit abwertenden Kommentaren über ihr Äußeres konfrontiert worden. Anfangs habe sie versucht, diese zu ignorieren, doch mit der Zeit wurde ihr klar, dass Schweigen den Angreifern nur mehr Raum gibt.
„Ich wollte zeigen, wie es aussieht, wenn eine Frau mit meiner Statur politisch aktiv ist – und dass man sich davon nicht unterkriegen lassen darf“, sagt Lang. Mit einem vielbeachteten Social-Media-Thread über Bodyshaming stieß sie eine landesweite Diskussion an.

Unterstützung und Solidarität
Viele Frauen meldeten sich daraufhin bei ihr, um eigene Erfahrungen zu teilen. Lang beschreibt dieses kollektive Gefühl der Verbundenheit als „unerwartet stark“. Für sie ist Bodyshaming kein Randthema, sondern eine gesellschaftliche Herausforderung mit politischen Dimensionen.
„Der Umgang mit Bodyshaming ist Teil des Kampfes für eine Welt, in der Frauen frei über ihren Körper entscheiden können. Es ist also ein zutiefst feministisches Thema“, so Lang.
Von der Kritik zur Versöhnung
Ein besonders bekannter Fall war ihre Auseinandersetzung mit PR-Managerin Alexandra von Rehlingen, die sie einst in sozialen Netzwerken als „grüne Tonne“ beleidigte. Heute sind die beiden versöhnt – Rehlingen entschuldigte sich persönlich, und Lang nahm diese Entschuldigung an. „Die Fähigkeit, Fehler einzugestehen, ist ein Zeichen von Stärke“, sagte Lang.
Ein neuer Umgang mit dem Begriff „fett“
Ricarda Lang spricht bewusst über Begriffe, die andere meiden. Für sie ist das Wort „fett“ keine Beleidigung, sondern eine neutrale Beschreibung. „Solange es nicht abwertend gemeint ist, ist mir das Wort recht“, erklärt sie. Begriffe wie „kurvig“ oder „vollschlank“ seien oft nur Versuche, ein gesellschaftliches Unbehagen zu kaschieren.
Indem man offen über Körperlichkeit spricht und Schönheitsideale infrage stellt, könne man einen wichtigen Beitrag zur Gleichberechtigung leisten.
Hass im Netz und der Kampf für Respekt
Besonders im Internet wird Lang immer wieder zur Zielscheibe von Beschimpfungen. Viele dieser Angriffe stammen aus extrem rechten Kreisen, die versuchen, progressive Politikerinnen gezielt zu diskreditieren. Lang lässt sich davon jedoch nicht einschüchtern:
„Wenn wir Grünen das Ziel rechter Anfeindungen sind, dann heißt das wohl, dass wir etwas richtig machen.“
Gleichzeitig kritisiert sie den gesellschaftlichen Umgang mit Übergewicht: Noch immer sei es die einzige Form von Diskriminierung, die viele offen akzeptieren. „Gegen Dicke darf man sich anscheinend noch ohne Konsequenzen äußern“, so Lang.

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Ein Zeichen für Stärke und Veränderung
Ricarda Lang steht für eine neue Generation von Politikerinnen, die Authentizität und Selbstbewusstsein vorleben. Ihr Engagement gegen Bodyshaming und für Gleichberechtigung ist nicht nur ein persönlicher Kampf – es ist ein politisches Signal.
